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Kreuzer Leipzig, Dezember 2016, Anja Kleinmichel
Mittelalterliche Weihnachtsklänge: Mit Nimmerselich auf den Spuren historischer Instrumente und Lieder

In einem uralten Rechnungsbuch von 1326 haben sie ihren Namenspatron gefunden. Spielmann Nimmerselich musizierte damals zum Weihnachtsfest in einem Tiroler Salzbergwerk. Sein Name und die Höhe seines Lohns sind überliefert; wie seine Musik geklungen haben könnte, liegt eher im Bereich der Spekulation. „Natürlich waren damals überall Spielleute und Volksmusik, aber leider gibt es dafür keinerlei notenschriftliche Zeugnisse“, sagt Ensemblemitbegründer Martin Uhlig. „Wir spielen eher mittelalterliche Kammermusik, die vor allem als Musik der höheren Stände anzusehen ist, da sie von Gelehrten aufgeschrieben wurde. Nachgestellte Folklore, beispielsweise auf Mittelaltermärkten, bewegt sich damit deutlich mehr im Bereich der Mutmaßung und Fantasy als das, was wir betreiben.“ Aus der Zeit zwischen 1100 und 1500 sind heute kaum mehr Originalinstrumente erhalten. Anhand von Bildern, Plastiken und Beschreibungen baut Uhlig mittelalterliche Instrumente nach. So spielt er auf seiner selbst gebauten Fidel und Viola d’arco, Robert Schuchardt beherrscht Drehleier und Quinterne, ein historisches Zupfinstrument. „ Uns interessiert am meisten: Wie klingt das, was es nicht mehr gibt?“Auf der Repertoiresuche für ihr 1999 gegründetes Ensemble studieren sie Originalquellen, Autografen und alte Abschriften. Mittlerweile Spezialisten in Notationskunde, bemerken sie nicht ohne Stolz: „ Unser aktuelles Programm besteht bestimmt zur Hälfte aus modernen Uraufführungen.“ Bei fast allen Überlieferungen handelt es sich um Vokalstücke. „Wir wollen natürlich unsere Instrumente spielen und arrangieren daher einiges für die rein instrumentale Darbietung um.“ Zum Ensemble gehören zwei Frauenstimmen, wobei alle Musiker bei Nimmerselich auch verschiedene historische Streich-, Zupf- und Blasinstrumente, Portativ und Glockenspiel beherrschen, von Zeit zu Zeit ist auch ein Percussionist zu Gast. Für sein diesjähriges Weihnachtsprogramm hat sich das Ensemble die Kirche St. Laurentius in Leutzsch ausgesucht. „Kirchen sind ja mit die ältesten Gebäude, die es heute noch gibt. Und wenn sie di richtige Größe für uns haben, verfliegt der Klang nicht.“ Weihnachten stand im Mittelalter anders als heute in seiner Bedeutung unter Ostern und Pfingsten, dafür wurde in vielen Textquellen nicht nur Jesu Geburt, sondern ein längerer Zeitraum, etwa von Mariae Verkündigung bis zur Ankunft der Heiligen Drei Könige, betrachtet, viele Stücke sind also nicht Weihnachtslieder im heutigen Sinne. Vom Stück „Puer Natur in Bethlehem“ kann man jedoch behaupten, dass es schon im Mittelalter ein echter Weihnachtshit gewesen sein muss. Unzählige Lidvarianten existieren, mit verschiedenen, aber ähnlichen Melodien. Es dient in seinem Variantenreichtum Nimmerselich als Rahmen für all die anderen Lieder, welche am 3. Advent Teile der Weihnachtsgeschichte erzählen.

 

karfunkel Nr. 85, Dezember 2009/Januar 2010
Nimmersêlich: Puer natus

Fünf Leipziger Musiker sind es, die seit 1999 unter dem Ensemblenamen „Nimmersêlich” die Musikszene bereichern. Intensive Recherchen, Rekonstruktionen und Arrangements diverser Fragmente aus mittelalterlichen Handschriften gehören bei den Nimmerselichen ebenso zum Entstehungsprozess einer CD wie die Verwendung von Nachbauten historischer Instrumente. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Im Bewusstsein der Unmöglichkeit, das Klangbild mittelalterlicher Musikwerke 1:1 wiederzugeben, nähert sich das Ensemble dem gewünschten Ergebnis so nahe an, wie es eben möglich ist. Die einfühlsame Musikalität der Musiker überzeugt ebenso wie das informative, durchdachte Booklet mit Reflexionen zur Rolle des Weihnachtsfestes im Mittelalter. Kompositionen aus diesem im Advent beginnenden und bis zum Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar reichenden Festkreises sind es, die die Nimmerselichen auf der CD zusammengestellt haben. Weihnachtslieder im weitesten Sinne also, wobei diese Bezeichnung im Mittelalter selbstredend mit einer ganz anderen Bedeutung verknüpft war. Statt süßlichem Kitschs gibt es neben nachdenklich Melodiösem auch jede Menge Tanzbares, war Weihnachten im Mittelalter doch allerorten ein Fest des liturgischen Tanzes. Der Vorteil einer so andersartigen Zusammenstellung weihnachtlicher Lieder: Man ist sie nicht schon am 26. Dezember so leid, dass man sie schnellstmöglichst aus dem Player entfernt. Dieses Album bietet jenseits der ausgetretenen Pfade der grassierenden Krach-und-Geschrei-Produktionen den Höreindruck einer fremd-nahen Welt, der man ganzjährig Besuche abstatten möchte.
Verlag der Spielleute; www.nimmerselich.de, 2009.

 

Leipziger Volkszeitung, 5. Dezember 2008
Evelyne Wurm

Musikalische Reise ins Mittelalter: Konzert mit "Nimmersêlich" in der Liebfrauenkirche

Alt sind sie keineswegs. Die Musik, die sie spielen hingegen schon. Sogar so alt, dass man forschen muss in Archiven, Bibliotheken und Museen, um sich an Originale heranzugraben. Dass sich genau das lohnt, damit die Musik so klingt wie wir es heute nicht erwarten - weniger romantisch, dafĂĽr einfacher, ehrlicher und doch auf eine rĂĽhrende Art zerbrechlich - ist eines der Verdienste des Leipziger Ensembles "Nimmersêlich". Am Sonntag spielten sie in der Lindenauer Liebfrauenkirche auf ihren historischen Nachbauinstrumenten in Form von Schalmei, Laute, Fidel, Quinterne oder Drehleier zum Weihnachtskonzert der anderen Art auf, indem sie Lieder zu Gehör brachten, die zum Teil an die 1000 Jahre auf dem Buckel haben. Seit 1999 spielen sie zusammen und fĂĽr dieses Konzert in der katholischen Kirche war ihnen der thematische Bezug zur Advents- und Weihnachtszeit besonders wichtig. "Es geht um die VerkĂĽndigung, die Geburt Christi und die Widerspiegelung dieser Ereignisse in den Liedern des Mittelalters", so Ensemblemitglied Robert Schuchardt. Dementsprechend klang der Auftakt mit dem Lied "In nativate domine" wie das Versprechen von der Geburt Christi, das "Puer Natus" oder die "Estampie Gabriel" nach der VerkĂĽndigung durch den Erzengel Gabriel. Das Geschehen der Geburt in Bethlehem wurde zum Beispiel im "Joseph, liber neve min" besungen. Die Texte klangen alt und behutsam, lateinisch, mittelhochdeutsch oder in einem alten Englisch, welches im "Edi beo thu" zu hören war.

 

www.chronico.de, 3. November 2006
Marcel Schwarzenberger

Marias Verehrung und das Lied vom Räuber

[...] Originale Texte, gespielt auf originalgetreuen Instrumenten, das ist der Stil von Nimmersêlich. Sei es, dass sie eine Cantiga de Santa Maria spielen, also ein Loblied auf die Muttergottes, oder Vertonungen von Minneliedern. [...]
Artikel hier lesen.

 

Interview auf www.metal1.info, Oktober 2006
geführt von Sigi mit Martin Uhlig
Mittelalterspezial

Bei NIMMERSELICH handelt es sich ebenfalls um eine Band, die modernen Elementen eher skeptisch gegenüber steht und die der traditionellen Spielpraxis des Mittelalters wieder zu neuem Leben verhelfen möchte ... zum Interview

 

CD-Rezension , aus „Pax et Gaudium“ Nr.17, 2004
dob

Nimmersêlich: sumer zeitt

Lange hat der Sommer im Jahr 2004 auf sich warten lassen. Er kam doch und mit ihm der Silberling des Ensembles Nimmersêlich, der stimmungsvoll diese Jahreszeit untermalen will. Ausgewählt haben die sechs Musiker aus Leipzig für dieses Unterfangen vornehmlich Frühlings- und Sommermusik aus der Zeit zwischen 1200 und 1250. Dabei finden sich auf der CD neben Liedern französischer Trouveres und deutscher Minnesänger auch Tänze und Instrumentalmusik. Unter den 15 Titeln mit einer Gesamtlaufzeit von 57:16 Minuten sind Stücke so bekannter Dichter wie Walthers von der Vogelweide oder Neidhards zu hören.
Die CD kann auf jeden Fall als ausgesprochen gelungen angesehen werden, da sowohl die gesungenen Lieder als auch die Instrumentalstücke sehr abgerundet und aufeinander abgestimmt wirken. Wer sich also für mittelalterliche Sommerimpressionen begeistern kann oder unabhängig von der Jahreszeit abwechslungsreiche, mittelalterlich inspirierte Musik mag, sollte sich dieses Werk zu Gemüte führen.

 

wwww.nn-forchheim.de, Juni 2004
Jürgen Grässer

Der Klang, der Ritterfrauen erbeben ließ
Mittelalter- Ensemble "Nimmersêlich" aus Leipzig gefiel bei "Musica Luna" im Rathaus - Der Minne zu Ehren

Säuselnde Flöten, Sackpfeife, Portativ und ein näselnder Pommer - einen Augen- und Ohrenschmaus der besonderen, in diesem Falle mittelalterlichen, Art bot das jüngste Konzert aus der Kulturreihe "Musica Luna".

Da es gewitterte und goss, musste das sechsköpfige Ensemble Nimmersêlich vom Innenhof der Kaiserpfalz in den Rathaussaal umziehen. Aber auch dort stimmte das Ambiente und das wirklich grosse Publikum hatte seine Freude an dem "sumer zeitt" überschriebenen Programm. Mittelalterliche Tänze, Frühlings- und Sommerlieder versetzten in die Zeit der Minnesänger, der provenzalischen Troubadours und nordfranzösischen Trouveres. ...mehr

 

www.mittelalter-spectaculum.de, Freitag, 28. November 2003
Marcel Schwarzenberger

Jenseits brachialer Mittelalterpower
Nimmersêlich: Auf der Suche nach dem wahren Ton

Keineswegs erstaunt reagiert Martin Uhlig auf die Frage. Eher belustigt senkt er seinen Blick auf die vor ihm dampfende Teetasse. Eine seltene Novembersonne glüht in das geräumige Wohnzimmer in dem Leipziger Altbau hinein, in dem der Besucher mehr Instrumente erwartet hätte. Schließlich sind Uhlig und sein WG-Genosse Robert Schuchardt Musiker mit Herzblut. Einzig die Replik eines mittelalterlichen Trumscheids – für den Laien eine Mischung aus einem Balken und einem Kontrabass – wirft den Sonnenschein dezent zurück. „Es ist eine verbreitete Legende, dass es wenig Notenmaterial aus dem Mittelalter gibt“, sagt Uhlig schließlich, „es existiert tonnenweise – man muss es aber zu finden wissen.“ Die Lust an der Recherche ist eines der Markenzeichen der Leipziger Gruppe Nimmersêlich. „Ganz nah ans Original“ ihr Credo.

das ganze Interview hier lesen: www.chronico.de

 

Meppener Tagespost, 21.08.2003

Gelebtes Mittelalter an der Koppelschleuse war "Hit"
Museumsfest in Meppen erwies sich als Besuchermagnet

[...] Für den "guten Ton" sorgten die Musiker des Ensembles "nimmersêlich", denen es gelang, das Publikum nicht nur mit wunderbaren mittelalterlichen Melodien zu verzaubern, sondern sogar auch zum Mitmachen bei mittelalterlichen Tänzen zu animieren.

 

Freie Presse, Plauen, 28./29.5. 2003
Volker Müller

Junge Musikanten strahlen Freude pur aus
"Nimmerselich" begeistert in der Plauener Lutherkirche mit Liedern und Tänzen aus dem Mittelalter

Ach, ging es im Mittelalter streng zu. Brach der Mai an und die Sonne zeigte, was sie konnte, war nicht im geringsten an so etwas wie Sommermode zu denken. Die Gewänder blieben eng und hochgeschlossen. Die Beschränkung war gut für die Musik. Alle Maienfreude floss so in Schellenklang und Flötenton. Und nie, heißt es, wurde reiner und betörender gesungen als in jener strengen, unerbittlich zugeknöpften Zeit.
Man glaubt es aufs Wort nach dem Konzert von "Nimmerselich" am Sonntagnachmittag in der Plauener Lutherkirche. Die sechs jungen Leute aus Leipzig, die sich seit vier Jahren in dieser Formation der Musik des Mittelalters widmen und dazu auch die entsprechende Tracht anlegen, erfreuten die zahlreichen Zuhörer mit quicklebendigen Liedern und Tänzen, die meist aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammten. Dabei waren auch die Soprane von Katrin Kläber und Viola Hänsel zu bewundern, die taufrisch, rein und voll klangen und die für heutige Ohren ungewohnte Harmonik und Stimmführung zum puren Genuss werden ließen. An Ausstrahlung stand den Sängerinnen Katharina Hölzel um keinen Millimeter nach, die Holzbläserin, die Flöte und Schalmei mit Vergnügen und Geschick ertönen ließ. Der großgewachsene Sebastian Gomon stützte sacht mit Trommel und Tamburin die sprudelnden Melodien. Robert Schuchardt und Martin Uhlig webten mit Saiteninstrumenten wie Laute und Drehleier einen bald sammetweichen, bald trittfesten Klangteppich.




© 12/2008 Nimmersêlich